Bereits seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Ingrid Ehlerding mit ihrer Stiftung dafür, Kindern und Jugendlichen mit ihren Projekten neue Chancen und Perspektiven zu eröffnen – ganz nach ihrem Leitsatz „Damit Kindern das Leben gelingt.“ Was im Jahr 2000 mit der Gründung der Ehlerding Stiftung begann, wurde in den folgenden 25 Jahren zu einem großen Engagement für junge Menschen.
Schon vor 40 Jahren, als junge Mutter mit ihrem neugeborenen Baby auf dem Arm, überzeugte Ingrid Ehlerding die erstaunten Mitarbeitenden vom Jugendamt davon, sich zusätzlich um fünf türkische Kinder zu kümmern: Eine Herzensentscheidung, die das Leben der Kinder und auch ihr eigenes verändert hat. Diese frühen Erfahrungen fließen bis heute in die Projekte der Stiftung ein. Mit den mitKids Aktivpatenschaften, dem Erlebnispädagogischen Schullandheim Barkhausen und den Impulsen wird die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern nachhaltig unterstützt.
Für das Gespräch mit der Stifterin ging es – zusammen mit den mitKids Bremerhaven – auf den den Weg zu einem Bauernhof. Ein Ort, der Erinnerungen weckt.
Vor vielen Jahren hast du Hof Norderlück, einen Bauernhof für Kinder, ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es den Hof nicht mehr, doch die Ideen dazu bestehen weiter. Was hat dich damals bewegt?
Als Kind war ich oft auf dem Bauernhof, habe dort melken gelernt und überall mit angepackt. Diese Erlebnisse haben mich sehr geprägt. Als ich später selbst Kinder hatte, habe ich mich gefragt: Was braucht ein Kind – und was fehlt heute oft? Mir fiel sofort die fehlende Verbindung zur Natur ein, zu den Tieren und die Frage: Wo kommen unsere Lebensmittel her?
Meine positiven Erfahrungen von damals wollte ich unbedingt meinen Kindern und auch vielen anderen Stadtkindern ermöglichen. So reifte in mir die Idee eines Bauernhofs für Kinder. Mit Hof Norderlück erfüllte ich mir diesen Traum, direkt an der Ostsee: Ein Bilderbuch-Hof mit Kühen, Ziegen, Schafen und Hühnern sowie einem großen Gemüsegarten. Über viele Jahre erlebten unsere jungen Gäste „Tage des Glücks auf Hof Norderlück“.
Heute, im 25. Jubiläumsjahr der Stiftung, besuchst du mit den mitKids den Bauernhof einer Patenschaftsbegleiterin. Wie fühlt es sich an, solche Erlebnisse nun im Rahmen des mitKids-Projekts zu ermöglichen?
Wunderbar! Als wir eben die Kartoffeln auf dem Feld ausgegraben haben, dachte ich bei mir: Wie schön, dass die Kinder das erleben dürfen! Es ist mir gelungen, meine eigenen Erfahrungen in die Stiftungsprojekte einzubringen und nun sehe ich, wie toll das von den Kids angenommen wird und wie sehr auch die Familien davon profitieren. Für mich schließt sich da ein Kreis.
Wir haben über die Vergangenheit gesprochen. Wie sehen die nächsten 25 Jahre aus?
Das lässt sich nicht genau vorhersagen. Zum einen wollen wir natürlich die mitKids und das Schullandheim Barkhausen weiterentwickeln und zukunftsfähig machen. Dabei sollten wir uns immer an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Gleichzeitig möchten wir als Stiftung flexibel bleiben, um kurzfristig einzuspringen und Impulse zu setzen, wenn Handlungsbedarf entsteht. Ein gutes Beispiel sind unsere Schwimmkurse: Als wir hörten, dass immer weniger Hamburger Kinder schwimmen können, haben wir mit dem Angebot von kostenlosen Schwimmkursen reagiert. Ich bin mir sicher, dass egal, welche Herausforderungen künftig auf uns zukommen, wir gut aufgestellt sind; wir haben ein tolles Team, engagierte Ehrenamtliche und viele Unterstützer, so dass ich zuversichtlich nach vorn blicke.
Wenn du zurückschaust – würdest du heute etwas grundsätzlich anders machen?
Nein. Ich bin sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Mit der Stiftung und den Projekten ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.
Gibt es eine Art Leitmotiv, das dich in den 25 Jahren begleitet hat?
Ja – unser Leitspruch: Damit Kindern das Leben gelingt. Mich erfüllt es, wenn ich sehe, wie z.B. die Kinder im Schullandheim Barkhausen aufblühen. Besonders die, die es in der Schule nicht einfach haben und plötzlich Dinge erleben, die ihnen Spaß machen und worin sie gut sind – sei es beim Bogenschießen oder im Umgang mit Tieren. Das zu sehen, macht mich immer wieder glücklich.
Was ist die DNA der Stiftung?
Alles, was wir tun, hat das Ziel, Kinder aus belasteten Familien rechtzeitig zu fördern und sie in ihren Talenten zu stärken. Gemeinsam als Team setzen wir uns mit viel Herzblut dafür ein, das Beste für die Kinder zu erreichen.
Gibt es für die nahe Zukunft etwas, das dir besonders wichtig ist?
Für mich besteht ganz klar der Wunsch, noch viel mehr Kindern eine mitKids Aktivpatenschaft zu ermöglichen. Dafür brauchen wir mehr Patinnen und Paten. Für einen Erwachsenen, der im Leben gefestigt ist, ist es oft gar nicht schwer, einem Kind Zeit, Vertrauen und Sympathie zu schenken. Und für Kinder, die diese Verlässlichkeit nie erfahren haben, kann genau das den entscheidenden Unterschied in ihrem weiteren Lebensweg machen – dafür kämpfe ich.
Mit der großen Erweiterung unseres Schullandheims können wir nun noch viel mehr Gästen einmalige Natur-, Umwelt-, und Teamerlebnisse ermöglichen. Wir haben viele Weichen für die Zukunft gestellt und neue Ideen umgesetzt. Ich wünsche mir, dass viele junge Menschen das Schullandheim besuchen, um dort Wichtiges über sich und ihre Umwelt zu lernen, um mutig und selbstbewusst zu werden und zu erleben, welche Kraft gemeinsames Handeln hat.
Du bist seit 40 Jahren ehrenamtlich aktiv. Woher nimmst du diese Kraft?
Für mich ist es ein Privileg, das tun zu dürfen. Ich kann etwas bewirken und Menschen motivieren mitzumachen – das ist für mich die reine Freude!
Nächstes Jahr zieht die Stiftung in die Villa Bondenwald, den neuen Stiftungssitz. Wie fühlt sich das an?
Es ist ein großer Schritt – und ja, auch ein bisschen aufregend. Wir müssen das Haus mit Leben füllen. Wir wollen den großen Park nutzen, um Kindern mitten in der Stadt die Natur näherzubringen und hier Veranstaltungen anbieten, bei denen sie spielen und toben können. Gleichzeitig soll es zu einem Ort werden, an dem sich das Team wohlfühlt und sich intensiv austauschen kann. Ich freue mich auch schon auf viele interessante Vorträge und Workshops für unsere Ehrenamtlichen und Netzwerkpartner. Meine Familie und ich haben mit der Restaurierung der Villa Bondenwald ein Natur-Kleinod mitten in Niendorf aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Nun wünschen wir uns sehr, dass hier neue, kreative Ideen entstehen, um möglichst viele Kinder mit unseren Projekten zu unterstützen.

